Wohnungssanierung in Innsbruck: Alter Dachboden in neuem Glanz

Wohnungssanierung in Innsbruck: Alter Dachboden in neuem Glanz

Beim Umbau einer desolaten Wohnung in Innsbruck blieb kein Stein auf dem anderen. Entstanden ist eine moderne Maisonette mit Dachterrasse mit tirolerischen Elementen.

Von Vanessa Grill

Innsbruck – „Der desolate Zustand der Wohnung in einem schon etwas älteren Haus war eine große Herausforderung“, sagt Florian Lamprecht von beaufort Architekten bei der Besichtigung gleich vorweg. Die Bauherren hatten die Wohnung im Westen Innsbrucks 2018 erworben – mit der Aussicht, auch den Dachboden ausbauen zu können, um somit eine große Wohnung mit genügend Platz für Familienbesuche zu erhalten.

Die Tochter der Familie studiert in Innsbruck und wohnt mittlerweile mit ihrem Freund in der Wohnung. Wenn die ganze Familie zu Besuch kommt, können schon mal acht Leute hier nächtigen. Dafür stehen zwei Gästezimmer, eine große mehrfach ausziehbare Couch, zwei Bäder, ein Balkon und eine Terrasse zur Verfügung. Doch der Weg zur ca. 100 Quadratmeter großen Familienwohnung war weit – man könnte fast sagen steinig. „Einfach war er zumindest nicht“, bekräftigt Lamprecht. Der Altbestand bedurfte einer Generalsanierung.

„Es blieben nur noch die Außenwände stehen. Vom Boden bis zur Decke wurde alles neu bzw. verstärkt“, so der Architekt. Die bestehende Sparrendachkonstruktion blieb zwar erhalten, sie wurde aber gedämmt und neu gedeckt.

Da es einer der Wünsche der Familie war, die Wohnung durchaus modern, aber auch ländlich, mit typisch tirolerischen Elementen, zu gestalten, wurden Dachbalken großteils sichtbar gelassen. „Doch auch sie mussten saniert und teilweise gestrichen werden“, sagt Lamprecht. Ein Teil des bis dahin ungenutzten Dachbodens, der ursprünglich über das Stiegenhaus erreichbar war, wurde mit der Wohnung zusammengelegt und durch eine Treppe im Wohnraum verbunden. Diese Treppe ist auch der eigentliche Star der Wohnung. „Sie ist das Ergebnis langer Tüftelei“, erklärt Lamprecht.

Garderobe, Bad, zwei Gästezimmer, ein Abstellraum, der offene Wohnraum mit Küche befinden sich im unteren Bereich der Wohnung. Ein Kamin, Eichenboden und Holzelemente bei den Möbeln sorgen für das gewünschte ländliche Ambiente – ohne dabei rustikal zu wirken. Die bestehenden Fensteröffnungen wurden beibehalten und zusätzlich neue Ausblicke erschaffen.

Der schmale, alte Südbalkon fiel den Sanierungsarbeiten zum Opfer. Der neue Balkon ist teilweise breiter und schafft somit Platz, um draußen zu sitzen. „Auch er stellte eine Herausforderung dar. Da musste mit Stahlträgern gearbeitet werden, die in die Holzbalkendecke hineinragen“, berichtet Lamprecht, „Statiker und Bauphysiker waren gefordert.“

Solargläser am Balkongeländer wünschten sich die beiden Biologie-Studenten, denn auch Nachhaltigkeit ist für sie ein großes Thema. Eine Fußbodenheizung – „eine sehr dünne, weil die Höhe des Bodens durch das Stiegenhaus und die niedrigen Raumhöhen vorgegeben waren“, erklärt der Architekt – sorgt für angenehme Temperaturen im Winter. Kühlelemente in den Dachuntersichten und den Innenwänden sind eingelegt, damit die Temperaturen im Sommer nicht in tropische Höhen steigen.

Der Dachkapfer, mit davorliegender, ins Dach eingeschnittener Terrasse, bietet nicht nur reichlich Abendsonne und eine traumhafte Aussicht auf die umliegende Bergwelt, sondern ermöglicht überhaupt erst die Begehbarkeit des Dachgeschoßes. Die Höhe des Hauses durfte nämlich aus baurechtlichen Gründen (Flughafennähe) nicht verändert werden. Aus dem ehemaligen Treppenaufgang in den Dachboden wurde ein kleines Zimmer mit dunkel gebeizten Balken und einer Dusche: der „Lieblingsraum“ der Bewohner, der aktuell als Schlafzimmer genutzt wird.

Aus einer kleinen Restfläche entstand eine mit Zirbenholz ausgekleidete Empore und großem Süd-Fenster. Dies sei der einzige Raum, der noch nicht fertig gestaltet wurde, erzählt der Freund der Tochter. Man warte noch auf Schaffell-Sitzsäcke, um eine gemütliche Ecke zum Zurückziehen einzurichten. Die herrlich duftende Nische hat gute Chancen, das neue „Lieblingsplatzl“ des Studentenpärchens zu werden, um das es sich mit dem Rest der Familie hoffentlich nicht streiten muss.

Source – tt.com

Lebensart